Sebastian Bohnen, Unterrichtssimulation im HS „Aristoteles“ bei Herr Dr. Thomas Nisters, 19. Juni 2006

 

Geplanter Ablauf

 

1. Als erstes werde ich dannach fragen, wer wieviele Tugend Begriffe gefunden hat, welche Quellen benutzt wurden, aber zunächst nur per

freiwilliger Mitarbeit. Vor Punkt zwei werde ich ankündigen, daß auf die Hausaufgabe nochmal zurückgekommen wird.

 

2. Die Liste mit den verschiedenen historischen Tugend- Katalogen wird verteilt werden.

 

3. Die Begriffe aus der Hausaufgabe werden an der Tafel gesammelt werden, die nicht in dem Katalog auftauchen, per freiwillger Mitarbeit,

gegebenenfalls werde ich noch ein paar Begriffe ins Spiel bringen (vor allem aus der Kategorie der Tauglichkeit).

 

4. Hier wird schon besprochen werden können, daß nicht alle Begriffe reine Tugenden sind, sondern auch Gefühle dabei sind, bzw. Werte.

Kurze Explikation des Begriffs „Wert“: auf Platon’s Ideenlehre und das lateinische Wort „virtus“ zurückgehend.

 

5. Hier kann angesprochen werden woher der Begirff Tugend kommt: „arete“ Tüchtigkeit; Tauglichkeit (die Schärfe des Messers, etc) nach

Platon hat die Tugend also eine etwas abweichende Definition

 

6. Es wird erfragt werden was die Definition der Tugend nach Aristoteles nochmal genau war: Mesotes, die Mitte zwischen zwei Extremen

plus Diaonetik. Sodann wird von mir (rhetorisch) gefragt werden, ob die Definition von Tugend als Mitte wirklich für alle Begriffe, die wir

heutzutage mit Tugend assoziieren überhaupt noch so treffend ist?

Unter dem Gescichtspunkt, daß das nicht so ist (es gibt kein zuviel an Tüchtigkeit, Sittlichkeit, Klugheit, und Tauglichkeit),

unter dem Gesichtspunkt daß es insgesamt sehr viel innere Widersprüche gibt: Gerechtigkeit eine andere Art von Mitte,

Eintracht, Freundschaft, Wohlergehen weder dianoetisch, noch ethisch,

und unter dem Gesichtspunkt, daß wir zwischen Gefühlen und Tugend, sowie Tugend und Wert unterscheiden wollen, gehen wir zu Punkt

sieben über. (Vorwegnahme eines Unterpunktes des Hauptpunktes 11: Selbstverständlich kann alles aus der Nikomachischen Ethik seine

Gültigkeit für sich behalten, und in der neuen, von mir angestrebten Ordnung einen Platz behalten, indem man die Begriffe für die gute

Mitte als Tugenden, dem Wert des Maßhaltens/ der Mäßigkeit zurechnet) Dazu kommt, daß die Idee mit der Mitte alles andere als

originell ist, sie kommt schon in der Politea und dem Charmides vor.

 

7. Und ziehen hier den Schluss: Wir brauchen eine neue Definition von Tugend: Wie das? Durch das Sammeln von vielen Beispielen (ist zu

diesem Zeitpunkt geschehen), durch das Vergleichen, das Finden von Gemeinsamkeiten, ausgedrückt in einer Kategorisierung (um schliesslich

durch die Benennung der verschiedenen Einteilungen in der Kategorisierung selbst, die Definition von Tugend zu erhalten). Sagen, das der

Begriff Kategorie von Aristoteles kommt.

 

8. Kategorisierung mit der ersten Tabelle, die ich verteilen werde: DinA4, 4 Spalten, ohne jede Beschriftung.

 

9. Die Ergebnisse werden besprochen werden: wer hat welche Einteilungen in horizontaler Richtung vorgenommen?

 

10. Kategorisierung mit der zweiten Tabelle, die ich verteilen werde (leer, bis auf vier Spalte wie die erste) für die vertikale Einteilung.

 

11. Besprechung. Idealer Weise würde in meiner Unterrichtssimulation dann dieses grobe Raster erarbeitet worden sein:

 

Gefühle

Werte

Tugenden

Güter

Euphorie

Fleiß

Tüchtigkeit

Ertrag

Gewissensreinheit

Anstand

Sittlichkeit

Rechtsordnung

Glücklichkeit

Intelligenz

Klugheit

Wissenschaft

Stolz

Tauglichkeit

Effektivität

Nützliche Objekte

 

12. Definitionen:

 

Werte – platonische Ideen/Formen

Tugend – im einzelnen das Streben nach dem entsprechenden Wert, insgesamt Vortrefflichkeit

Güter – konkrete Produkte des Prozeßes des Stebens nach dem entsprechenden Wert

Gefühle – müssen für eine Definition genau wie für Tugend untersucht werden (durch viele Beispiele)

Reflektion


Die Punkte 1-6 und 8,9 ließen sich problemlos und genau wie geplant realisieren.

 

Kategorisierungen, die von den Studenten vorgeschlagen wurden, waren folgende:

 

1.

theoretisch

praktisch

 

aktiv

passiv

 

2.

Gefühle

Charakter

Körper

 

3.

berufsbezogen

stereotypisch

nicht mehr gültig

 

4.

Antike

Mittelalter

Neuzeit

Moderne

 

 

Während der Besprechung der Kategorisierungen wurde auch schon ein erster Versuch einer Definition vorgenommen: Tugenden sind

Eigenschaften, die das menschliche Zusammenleben erleichtern.

 

Die Punkte 10-12 konnten aufgrund von Zeitmangel nicht mehr voll realisiert werden, und im Nachhinein ist mir klar geworden, daß der

Punkt 7 eigentlich viel mehr an Erklärung und Zeit bedarf.

 

Die Fragen, die der Punkt aufwirft, gehen von dem zentralen Problem:

„Wie findet man eine Definition für einen beliebigen Begriff?“ aus.

Die Antwort auf diese Frage wird zwar in der Ablaufplanung gegeben:

Durch das Sammeln von vielen Beispielen, und durch das Vergleichen, das Finden von Gemeinsamkeiten, ausgedrückt in einer Kategorisierung,

um schliesslich durch die Benennung der verschiedenen Einteilungen in der Kategorisierung selbst, die Definition von Tugend zu erhalten.

 

Aber was in dieser Antwort nicht enthalten ist, ist eine Erklärung dessen, was die eine, beste Kategorisierung ausmacht, denn wenn es mehr

als eine Kategorisierung gibt, wie soll man dann die richtige Definition aufstellen können?

 

Eine offensichtliche Reaktion auf dieses Problem in den Geisteswissenschaften, wäre die Position des Relativismus zu vertreten, und zu sagen,

jede Kategorisierung ist eine individuelle Meinung, die ihre eigene Gültigkeit, gleichwertig neben allen anderen, besitzt.

 

Die bessere Reaktion ist jedoch zu erklären, daß es gewisse Merkmale gibt, die Definitionen von einander unterwscheiden:

 

Zum einen ist nach dem Prinzip des Ockham’s razor, die prägnanteste Definition die beste.

 

Und zum anderen ist selbstversändlich die Definition besser als andere, die am meisten Merkmale des zu definierenden Konzeptes beschreibt.

 

Auf den ersten Blick widersprechen sich die beiden Forderungen an eine Definition, denn Ockhams Rsiermesser fordert Kürze, während

Punkt zwei Ausführlichkeit fordert.

 

In Wirklichkeit jedoch widersprechen sich die beiden Punkte ganz und gar nicht, wenn man sie sich wie folgt verdeutlicht:

 

 

 

 

a)                                             b)

                                

                                               

  

 

Abbildung a) zeigt eine Definition  entgegen den Forderungen von Punkt eins und zwei: der dicke Ring steht für eine unnötigt umständliche

Formulierung in der Definition, der kleine innere Kreis steht für eine zu kleine Anzahl an erfassten Merkmalen des zu definierenden Begriffs.

 

Während Abbildung b) eine Definition versinnbildlicht, die die Maximen der beiden Forderungen erfüllt.

 

 

 

Gefühle Werte Tugenden Güter
  Tüchtigkeit (aüßerliche Güter)  
Euphorie Fleiß Tüchtigkeit Ertrag
Enthusiasmus Eifer Eifrigkeit Ertrag
Euphorie Fleiß Fleißigkeit Ertrag
Stolz Fleiß Arbeitsamkeit  
Stolz Erfolg Unermüdlichkeit  
Stolz Erfolg Hartnäckigkeit  
Stolz Erfolg Beharrlichkeit  
Stolz Erfolg Zielstrebigkeit   
Stolz Perfektion Sorgfältigkeit  
Stolz Perfektion Strebsamkeit Ideal
Stolz Perfektion Reinlichkeit  
Stolz Perfektion Pünktlichkeit  
Stolz Ordnung Ordnungssinn  
Stolz Mäßigung Ehrgeizigkeit  
Stolz Qualität Engagement  
Stolz Kreativität Kunstfertigkeit  
Stolz Kreativität Schaffenskraft  
Stolz Können Professionalität  Einkommen
Stolz Können Virtuositaet  
Stolz Können Fähigkeit  
Stolz Macht Mächtigkeit  
Stolz Mäßigung Bescheidenheit  
Stolz Mäßigung Sparsamkeit  
Stolz Mäßigung Häuslichkeit  
       
  Sittlichkeit (seelische Güter)    
Stolz Anstand Sittlichkeit Rechtsordnung
Erfuellung Pflicht Diszipliniertheit Moral
Erfuellung Pflicht Pflichtbewusstsein  
Erfuellung Pflicht Verlässlichkeit  
Erfuellung Pflicht Enthaltsamkeit  
Erfuellung Pflicht Gehorsam  
Erfuellung Pflicht Ehrenamtlichkeit  
Erfuellung Freiheit Moralität guter Wille
Mitgefuehl Güte Grossherzigkeit  
Mitgefuehl Güte Gnädigkeit  
Liebe Nächstenliebe Hilfsbereitschaft kat. Imperativ
Mitleid Menschenliebe Wohltaetigkeit Gemeinwohl
Mitgefuehl Wohlwollen Barmherzigkeit  
Mitgefuehl Altruismus Freigebigkeit   
Mitgefuehl Freundschaft Freundlichkeit  
Mitgefuehl Wohlwollen Gastfreundlichkeit  
Mitgefuehl emotionale Intelligenz Einfühlungsvermögen  
Mitgefuehl Brüderlichkeit Geselligkeit  
Mitgefuehl Brüderlichkeit Kameradschaftlichkeit  
Gluecklichkeit Glück Dankbarkeit  
Achtung Vollkommenheit Demütigkeit  
Stolz Manieren Höflichkeit Umgangsformen
Stolz Manieren Ziemlichkeit  
Stolz Manieren Schicklichkeit  
Stolz Anstand Anständigkeit  
Gewissensreinheit Wahrheit Ehrlichkeit   
Gewissensreinheit Wahrheit Aufrichtigkeit  
Gewissensreinheit Wahrheit Wahrhaftigkeit  
Gewissensreinheit Wahrheit Rechtschaffenheit  
Zufriedenheit Gerechtigkeit Ritterlichkeit Gesellschaft
Zufriedenheit Gerechtigkeit Gleichberechtigung  
Stolz Mäßigung Sanftmuetigkeit  
Stolz Mäßigung Artigkeit  
Gelassenheit Mäßigung Besonnenheit  
Stolz Mäßigung Hochherzigkeit  
Stolz Mäßigung Hochsinn  
Stolz Mäßigung Selbstbeherrschung  
Stolz Mäßigung Toleranz  
Achtung Respekt Ehrbietigkeit  
Achtung Ehre Ehrwuerdigkeit  
Seligkeit Heiligkeit Frömmigkeit Kirche
Seligkeit Gauben Gläubigkeit  
Vertrauen Hoffnung Gottvertrauen  
Stolz Mäßigung Geduldigkeit  
Zufriedenheit Frieden Friedlichkeit  
Zufriedenheit Eintracht Friedenstiftung  
Stolz Kultur Kultiviertheit  
Zufriedenheit Nachhaltigkeit Umweltschutz  
Vertrauen Demokratie Demokratieverstaendnis Staat
Vertrauen Vertrauen Treue  
Vertrauen Vertrauen Loyalität  
Stolz Freiheit Selbststaendigkeit  
Stolz Mäßigung Selbstverwirklichung  
       
  Klugheit (geistige Güter)    
Gluecklichkeit Intelligenz Klugheit  Wissenschaft
Gluecklichkeit Intelligenz Gedächniskraft  
Gluecklichkeit Intelligenz Kombinationsvermögen  
Stolz Wissen Belesenheit Wissenschaft
Gluecklichkeit Vernunft Weisheit Philosophie
Stolz Durchblick Scharfsinn   
Stolz Verständigkeit Wohlverstaendigkeit  
Stolz Überlegung Wohlberatenheit  
Stolz Einsicht Einsichtigkeit  
Stolz Bildung Gelehrheit  
Zufriedenheit Reife Umsichtigkeit  
Stolz Authoritaet Sachverstand  
Stolz Authoritaet Suggestionskraft  
Stolz Konzentration  Konzentrationsvermögen  
Stolz Konzentration  Achtsamkeit   
Stolz Phantasie Vorstellungskraft  
Stolz Vision Weitblick  
Stolz Reflektion Introspektion  
       
  Tauglichkeit (körperliche Güter)    
Stolz Tauglichkeit Effektivität  
Genugtuung Kraft  Kraeftigkeit  
Stolz Tauglichkeit Schnelligkeit  
Stolz Tauglichkeit Staerke  
Stolz Tauglichkeit Robustheit  
Stolz Tauglichkeit Flexibilitaet  
Stolz Tauglichkeit Kompatibilitaet  
Stolz Tauglichkeit Agilitaet  
Stolz Tauglichkeit Ergiebigkeit  
Stolz Tauglichkeit Mannhaftigkeit  
Stolz Tauglichkeit Fraulichkeit  
Stolz Tauglichkeit Durchsetzungsvermögen  
Stolz Tauglichkeit Leistungsfähigkeit  
Stolz Tauglichkeit Benuztbarkeit  
Stolz Tauglichkeit Exaktheit  
Stolz Tauglichkeit Zweckmäßigkeit  
Stolz Tauglichkeit Standhaftigkeit  
Stolz Tauglichkeit Geschicklichkeit  
Stolz Tauglichkeit Dewandtheit  
Stolz Tauglichkeit Vitalität  
Stolz Tauglichkeit Nützlichkeit  
Stolz Tauglichkeit Wirksamkeit  
Genuss  Komfort Bequemlichkeit  
Genuss  Luxus Aufwendigkeit  
Vertrauen Balance Gleichgewichtssinn  
Zufriedenheit Gesundheit Gesundheitsbewusstsein  
Stolz & Vertrauen Mäßigung & Mut Tapferkeit  
Stolz & Vertrauen Mäßigung & Mut Kühnheit